Mediale Integration
Zur medialen Integration (von ethnischen Minderheiten) gehören verschiedene
Aspekte. Das Konzept baut auf den dargestellten Überlegungen sowohl allgemein
zur sozialen als auch speziell zur interkulturellen Integration auf und befasst
sich mit der Funktion der Massenmedien beim Prozess der Integration von Migranten
und deren Nachkommen.
Das zugrunde liegende Modell lässt sich dabei idealtypisch als Mittelweg zwischen
den beiden ebenfalls idealtypisch zu denkenden Positionen der medialen Assimilation
und der medialen Segregation beschreiben.
Auf der Kommunikator- und Medienseite bedeutet das Modell medialer Assimilation ,
dass ausschließlich Massenmedien existieren, die auf die Bedürfnisse und Perspektiven
der Mehrheitsgesellschaft zugeschnitten sind. Die Perspektive(n) von Migranten
finden keine spezifische Berücksichtigung. Sofern Minderheitenangehörige in der
Medienproduktion tätig sind, erscheinen sie nicht als solche. Im Modell medialer
Segregation ist die Position der Mehrheitsmedien ähnlich, nur existieren separat
Minderheitenmedien (Ethnomedien), die sich ausschließlich an den Interessen von
Migrantengruppen (oft herkunftshomogen nach Ländern) bzw. an deren Herkunftsländern
orientieren.
Im Modell medialer Integration sind dagegen Minderheitenangehörige - als solche
sichtbar - in den Mehrheitsmedien aktiv ( Diversity mainstreaming in den Medienbetrieben),
und zwar nicht (nur) in speziell für sie reservierten Nischen, sondern übergreifend
in allen Ressorts, Programmen etc.; spezielle Sichtweisen und Anliegen von Minderheiten
sind fester Bestandteil der redaktionellen Inhalte, wo sich dies anbietet, ohne
dass Migrantenjournalisten auf Minderheitenthemen festgelegt würden. Bei der
Berichterstattung über Minderheitenthemen wird nicht nur über Migranten geredet,
sondern sie kommen auch selbst als Gesprächspartner zu Wort. Ethnomedien erfüllen
in diesem Modell stärker komplementäre Funktionen, zielen im Idealfall (neben
der Wahrnehmung einer Brückenfunktion zur alten Heimat) auch auf die Eingliederung
der Einwanderer in der neuen Heimat ab, ja sie erscheinen ggf. nach einer Weile
zweisprachig oder nur noch in der Sprache des Einwanderungslandes. Mehrheit und
Minderheiten erfahren so regelmäßig und nicht bloß bruchstückhaft und oft
konfliktorientiert voneinander.
Auf der Publikumsseite entspricht dem Modell medialer Assimilation naturgemäß
die ausschließliche Nutzung der Mehrheitsmedien, während der Segregation idealtypisch
die ausschließliche Nutzung der Mehrheitsmedien durch die Mehrheit und der
(jeweils eigenen) Ethnomedien durch die Minderheiten entspricht (polemische Schlagwörter
"Parallelgesellschaften", "Medienghettos").
Der medialen Integration entspricht dagegen eine weitgehend komplementäre
Nutzung durch die Minderheiten, z. T. auch eine Nutzung von Minderheitenmedien
durch Mehrheitsangehörige.
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