Migration, Integration und Medien
   

Interkulturelle Integration

Der Begriff der interkulturellen Integration ist stärker auf die Integration von ethnischen Minderheiten bzw. Einwanderern in die Mehrheitsgesellschaft zugeschnitten. Er orientiert sich am Konzept des kanadischen Multikulturalismus und stellt einen Mittelweg zwischen den Polen Assimilation und Segregation dar.

Analytisch lassen sich zwei Grunddimensionen der interkulturellen Integration unterscheiden: Die sozialstrukturelle Integration in das System sozialer Ungleichheit und die sozialkulturelle Integration in das soziale Netzwerk und die Kultur des Aufnahmelandes.

Ziel der sozialstrukturellen Integration ist die Chancengleichheit aller ethnischen Gruppen in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen - in Recht, Arbeitsmarkt, Bildungssystem, soziale Sicherheit, politische Teilnahme und beim Zugang zu wichtigen Institutionen wie Medien, Justiz, Polizei, Verwaltung, Bildung und Wissenschaft.

Die sozialkulturelle Integration orientiert sich am Prinzip der Einheit-in-Verschiedenheit : Mehrheit und Minderheiten leben miteinander (nicht nebeneinander) auf der Basis gemeinsamer Sprache, Regeln und Grundwerte und im gegenseitigen Respekt für ihre sozialen und kulturellen Besonderheiten.

Ein Dauerproblem der interkulturellen Integration ist das Aushandeln der "interkulturellen Linie" : Wo endet das Recht auf Verschiedenheit? Wo beginnt die Pflicht zur Unterordnung unter das Gemeinsame?

Die interkulturelle Integration setzt "aktive Akzeptanz" voraus; dazu gehören:

  • die Einsicht, dass (gesteuerte) Einwanderung notwendig und nützlich ist;
  • die Einsicht, dass Einwanderer sozialstrukturell und sozialkulturell nach den skizzierten Prinzipien integriert werden müssen;
  • die Einsicht, dass sich interkulturelle Integration nicht von allein entwickelt, sondern erheblicher politischer, gesellschaftlicher und individueller Anstrengungen von Mehrheit (diversity mainstreaming) und Minderheiten bedarf.

Das Konzept der interkulturellen Integration hat gegenüber dem Assimilationskonzept zwei Vorzüge:

  • Es ist humaner, weil es den empirisch nachweisbaren Bedürfnissen der Einwanderer Rechnung trägt, nicht völlig mit ihrer Herkunftskultur zu brechen.
  • Es fordert dazu heraus, die innovativen und produktiven Potentiale von Diversität zu nutzen, statt diese unreflektiert "wegzuassimilieren".