Migration, Integration und Medien
   

Die Situation in den USA

Wo in Deutschland in Bezug auf den medialen Beitrag zur Integration von Migranten und ethnischen Minderheiten der Gedanke an Qualitäten und Regulierungen der Medieninhalte im Vordergrund steht, verfolgt man in Nordamerika einen eher strukturellen Ansatz und setzt vor allem auf eine Förderung des Zugangs der ethnischen Minderheiten zu den Medien.

Diese "Diversity"-Politik lässt sich aus einem multikulturellen Selbstverständnis erklären, das sich bis in die Anfänge der US-Gesellschaft zurück verfolgen lässt: Seit im 17. Jahrhundert die ersten europäischen Siedler ins Land kamen, ist das Bevölkerungswachstum in den USA immer auch - mehr oder weniger - durch Einwanderung beeinflusst gewesen.

Bis in die 1840er Jahre kam die Mehrzahl der Einwanderer aus dem nordwestlichen Europa. Danach stieg die Zahl der südosteuropäischen Einwanderer stetig an, bis schließlich seit den 1960er Jahren asiatische und lateinamerikanische Länder an der Spitze der Herkunftsländer stehen - sie machen mittlerweile rund vier Fünftel der Immigranten aus.

Integrationsvorstellungen und -modelle in der US-amerikanischen Kommunikationspolitik zielen weniger auf Assimilation als auf Duldung, Anerkennung und gesellschaftliche Repräsentation der Minderheiten: Viele weiße Einwanderer Nordamerikas hatten Europa verlassen, weil sie aufgrund religiöser Besonderheiten dort nicht geduldet worden waren, und mit den Afro-Amerikanern ist eine ethnische Minderheit nach Nordamerika verschleppt worden, deren sichtbarstes Merkmal, die schwarze Hautfarbe, sich nicht angleichen lässt. Dieses moderne, kulturelle Pluralität akzeptierende und schützende Integrationsprinzip bringt das Wort "Diversity" zum Ausdruck.

Besonders drei ethnische Minderheiten stehen im Mittelpunkt der Diversity-Politik: die ursprünglich aus Afrika stammenden Schwarzen, die Asiaten und die Hispanics bzw. Latinos aus lateinamerikanischen Ländern (hier ist vor allem Mexiko zu nennen).

Um Akzeptanz und angemessenen Repräsentation der Minoritäten auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen zu erreichen, umfasst die "Diversity Policy" vor allem die kontinuierliche Erhebung dieser drei ethnischen Minderheiten an wichtigen Bereichen des öffentlichen Lebens, den Vergleich dieser Daten mit den Anteilen der Minderheiten an der Gesamtbevölkerung, und schließlich die Publikation dieser Ergebnisse auf breiter Basis. Das Verfahren findet Anwendung für zahlreiche Institutionen und Berufe.

So auch für den Journalismus. Hier geht Diversity-Engagement insbesondere von den amerikanischen Zeitungsredakteuren und -verlegern aus - wohl nicht zuletzt aus der Motivation heraus, die ethnischen Minderheiten als Kunden und Lese-Publikum zu gewinnen. Jährlich publiziert zum Beispiel die American Society of Newspaper Editors (ASNE) von ihr selbst erhobene Statistiken über die Anteile der drei ethnischen Minderheiten in den "Newsrooms" der US-Presse - aufgegliedert auch nach Art der Beschäftigung, denen die Minderheitenangehörigen in den jeweiligen Newsrooms nachgehen. Andere Berufsverbände wie die Society of Professional Journalists (SPJ) übernehmen diese Daten der ASNE und verbreiten sie weiter.

Neben der Methode des Erhebens und Publizierens von Informationen greifen für den Rundfunksektor auch Kontroll- und Zulassungsinstanzen wie die Federal Communications Commission (FCC), die sich vor allem über Lizenzierungs-Auflagen um "Diversity" in der öffentlichen Kommunikation bemühen.