Die Situation in Deutschland
In den vergangenen Jahren hat sich der Medienwandel deutlich beschleunigt:
Begünstigt durch technische Innovationen hat sich die Medienlandschaft sowohl
erweitert (neue Online-Medien, Zunahme der Zahl der Anbieter z. B. im Fernsehen
durch Satelliten-TV) als auch enorm aufgefächert: Die Zielgruppen, die von bestimmten
Medienangeboten angesprochen werden, sind immer spezieller geworden.
Parallel dazu hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass die Bundesrepublik Deutschland
faktisch zu einem Einwanderungsland geworden ist. Personen mit Migrationshintergrund
(Ausländer und Eingebürgerte sowie deren Kinder, dazu Aussiedler) machen inzwischen
einen erheblichen Anteil der Bevölkerung vor allem in den alten Bundesländern aus,
ca. 20 Prozent oder mehr; in vielen Großstädten und erst recht innerstädtischen
Stadtbezirken liegt der Anteil noch weit darüber.
Auch angesichts der demografischen Entwicklung, die für die deutsche Bevölkerung
eine starke Alterung bei gleichzeitigem allmählichem Schrumpfen der Einwohnerzahl
schon jetzt absehen lässt, wird die Bedeutung der neuen ethnischen Gruppen wachsen,
für Staat und Gesellschaft, aber auch für die Medien, in deren Interesse es liegt,
diese Menschen als Leser, Hörer, Zuschauer, Anzeigenkunden zu gewinnen.
Bisher ist es den Medien nur unzureichend gelungen, "ausländische" Leser, Hörer
und Zuschauer zu gewinnen. Die Gründe dafür sind komplex und nicht mit simplen
Schuldzuweisungen zu benennen. So haben viele Einwanderer zumal der ersten Generation
Sprachprobleme, was besonders die Lektüre von Zeitungen behindert. Auch existiert
in den Heimatländern oft keine ausgeprägte Abonnementskultur wie in Deutschland,
es dominiert der Straßenverkauf.
Schließlich haben "Ausländer" oft spezifische Interesse (etwa an
Vorgängen in den Heimatländern), die deutsche Medien nicht in gleicher Breite
bedienen können wie herkunftsspezifische Medien.
Gleichzeitig scheinen jedoch auch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt, im redaktionellen
Teil - gerade auch im Lokalen - auf die Interessen der Minderheiten einzugehen
und sie dadurch an die deutschen Medien zu binden.
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