Migration, Integration und Medien
   


Monatsarchiv für November 2008

Die Kunst ist kurz, doch lang ist unser Leben

27. November 2008 von Harald Bader

Die Kampagne für mehr ethnische Vielfalt in der Wirtschaft (www.vielfalt-als-chance.de) ist eine gute Idee. Ich bin durch die Fernsehwerbung darauf aufmerksam geworden und finde die Website lesenswert und unterhaltsam. Integrationsbeauftragte Maria Böhmer wird zwar häufig kritisiert (was weniger an ihr als an ihrem Amt liegt), dabei soll aber nicht vergessen werden, dass sie angesichts der Kürze deutscher Zuwanderungspolitik solide Arbeit leistet. Schade nur, dass “Vielfalt als Chance” befristet ist. Wenn wir uns vor Augen führen, welch langen Atem Emanzipationen haben (z.B. der Frauen), wären eher Jahrzehnte angemessen.

Wie das Gesetz es befiehlt

26. November 2008 von Harald Bader

Ein Kollege aus dem Wissenschaftsbetrieb fragte mich, welche Nachrichten aus dem Themenbereich Medien und Migration er verbreiten könne. Ich erzählte ihm dies und das, gemeinsam stellten wir aber fest, dass daraus keine aktuellen Meldungen gestrickt werden können. Der Journalismus tickt eben anders, er braucht Ereignisse, was akademisch Nachrichtenwerttheorie genannt wird. Darum sind medienkritische Ansätze, die nach Alltagsgeschehen, Strukturen und good-will-Berichten in Spalten und auf Schirmen rufen, im Prinzip richtig, gehen aber an der Eigengesetzlichkeit des Journalismus häufig vorbei. Kann man nichts machen.

Geglückte Interkulturalität

26. November 2008 von Harald Bader

Habe soeben kyrillischen Spam aus Nigeria bekommen, der mich laut Angaben des Verfassers zum Trillionär machen könnte. Das nenne ich doch mal Internationalität!

Uns geht´s ja noch Gold

26. November 2008 von Harald Bader

Workshop mit Journalisten aus Südosteuropa. Ich halte einen Vortrag über Integration und die Probleme damit. Trockener Kommentar der Teilnehmer: Unsere Staaten sind jung und bedroht, die wirtschaftliche Lage prekär und übrigens wird ein Großteil unserer Entscheidungen in Moskau, Brüssel, Berlin oder Washington getroffen. Es gilt, was ich hier schon früher schrieb: Mal über den Tellerrand gucken um festzustellen, dass die deutschen Sorgen milder Natur sind.

Zwei Links

19. November 2008 von Harald Bader

Über die mangelnde Beteiligung von Migrantinnen und Migranten an der Medienproduktion wird allseits und berechtigt geklagt. Nun haben die Migranten selbst einen weiteren Versuch unternommen, sich besser zu vernetzen. In Deutschland, wo Gruppeninteressen eher wahrgenommen werden als kluge Zwischenrufe einzelner, kann diese Selbstorganisation Erfolg haben. Wir jedenfalls wünschen ihn. Näheres unter

www.neue-medienmacher.de

Zu Pessimismus rät allerdings die aktuelle Wirtschaftslage, die von den Medienunternehmen dafür instrumentalisiert wird, Personal abzubauen. Hier in Nordrhein-Westfalen sorgt insbesondere die sehr gesunde WAZ-Gruppe für Unruhe, weil Arbeitsverdichtung und Personalabbau geplant sind. Schlechte Zeiten für neue Medienmacher. Immerhin wehrt sich die Belegschaft zeitgemäß:

www.medienmoral-nrw.de

Auch hier gutes Gelingen, denn wenn der Arbeitsmarkt für Journalisten sich weiter so rasant verschlechtert wie seit der Jahrtausendwende, können Initiativen, Forschungsprojekte und Hochschulausbildung mit dichtmachen. Und der Rezipient muss Bücher lesen und schreiben, wenn er sich nicht unter Niveau informieren will.

Dichte Wochen

16. November 2008 von Harald Bader

An dieser Stelle herrschte für einige Wochen Funkstille, was daran liegt, dass unser Projekt Bücher vorbereitet, die demnächst erscheinen sollen. Ich bitte um Nachsicht. Wenigstens kurz will ich aber meine Freude über einige Ereignisse kundtun. Die US-Bürger haben Obama gewählt, gut 400 Jahre nach dem Beginn der Deportation von Afrikanern nach Nordamerika. Obama gehört nicht zu deren Nachkommen und kann genauso gut als fast weiß durchgehen, aber gerade diese unklare Zuordnung mag helfen, nicht länger in Kategorien von “race” usw. zu denken, sondern in Konzepten, die unsere Zeit braucht. In Hessen haben vier Sozialdemokraten die Einmischung von Kommunisten in die Regierung verhindert. Und das ist gut so, denn Pionierleiter, Illusionisten und MfS-Apologeten können keinen Beitrag zum Gemeinwesen leisten, außer zu dessen Zerstörung. “Yes, we Cem!” heißt es von den Grünen, die den Deutschtürken Özdemir zum Parteichef wählten, was mich freudig überraschte. Was für ein Signal! Politiker sollen im Prinzip kein Vorbild sein, sondern ordentlich regieren (oder ordentliche Regierung befördern), aber dass man mit Migrationshintergrund Vorsitzender einer Bundespartei werden kann, wird die Integration gewaltig beflügeln. Trotz Rezession: Das sind gute Nachrichten.