Migration, Integration und Medien
   


Monatsarchiv für Februar 2008

Tritt in den Hintern

27. Februar 2008 von Malte Wicking

Gestern Abend sprach ich in einer schlesischen Studentenkneipe mit einem türkischen Erasmusstudenten. Genauer: einem Studenten aus der Türkei. Hier unser kurzer Dialog:

- “Actually I am not a Turk. I am a Kurd. You know what that is?”

- “Yes, I do.”

- “Of course, because you have many Kurds and Turks in Germany.”

- “Yes.”

- “But they don’t want to adopt your culture. If I were you, I would kick them all out of Germany.”

Dabei führte er eine Bewegung vor, die eindeutig einen Tritt in den Hintern darstellte.

Ich war einigermaßen sprachlos, sagte “Well, well”. Und dachte: Das wird möglicherweise mal der erste kurdische Freund von Roland Koch. Wenn das eine Mehrheitsmeinung war, dann wären sich Türken, Kurden und Deutsche doch ziemlich ähnlich und könnten viel besser miteinander auskommen.

Heraus zum 17. Mai!

2. Februar 2008 von Harald Bader

Bülent Arslan, Leiter des Deutsch-Türkischen Forums in der CDU, teilt uns in der FAZ vom 1. Februar mit, was die Türken mit dieser Partei verbinde: „Klassisches Familienbild, Skepsis gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Wunsch nach einem starken Staat und innerer Sicherheit.“ Ich hoffe doch sehr, dass Arslan nicht repräsentativ für seine community ist. Falls doch, sollte er wissen, dass sein Fünfziger-Jahre-Modell, das er offensichtlich propagiert, historisch äußerst fremdenfeindlich war: Italienische Gastarbeiter wurden als „Spaghettifresser“ gemieden, selbst Deutsche aus Sachsen oder Schlesien hatten es in der Bundesrepublik schwer. Und zum “klassischen Familienbild”: Weibliche Kanzler und Integrationsbeauftragte wären damals undenkbar gewesen, zumal in der Union. Sollen also Merkel und Böhmer wieder ihre Männer bekochen?
Dass es Arslan nötig hat, homophobe Ressentiments zu pflegen – „Skepsis“ ist ein nur scheinbar harmloser Ausdruck –, zeigt bitter, dass er etwas zum Hassen braucht. Als ob es keine homosexuellen Migranten gäbe, die an innerem wie äußerem Zwang zugrundegehen oder tannhäusernd das romantische Ideal der Jugend aufgeben für hysterische Promiskuität. Wenn wir Sartre glauben wollen, wonach sich nur befreien kann, wer auch die anderen befreit, bleibt festzuhalten: Noch jede Emanzipationsbewegung entpuppte sich als Rohrkrepierer, weil sie die Grenze ihrer Interessengruppe nicht überwunden hat. Die Zugehörigkeit zu einem unterprivilegierten Personenkreis allein hat noch keinen guten Menschen gemacht. Zu verlockend der Tritt danach, was man für unten hält. Zu stark die Versuchung, eigenen Vorstellungen normativen Charakter für Dritte zuzuschreiben. Nein, weder Türken noch Ostdeutsche noch Frauen noch Schwule oder überhaupt irgendwelche Leute können Avantgarde des Weltgeistes sein, schade, Marcuse: Wir sind alle gleich anders furchtbar.