Bülent Arslan, Leiter des Deutsch-Türkischen Forums in der CDU, teilt uns in der FAZ vom 1. Februar mit, was die Türken mit dieser Partei verbinde: „Klassisches Familienbild, Skepsis gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Wunsch nach einem starken Staat und innerer Sicherheit.“ Ich hoffe doch sehr, dass Arslan nicht repräsentativ für seine community ist. Falls doch, sollte er wissen, dass sein Fünfziger-Jahre-Modell, das er offensichtlich propagiert, historisch äußerst fremdenfeindlich war: Italienische Gastarbeiter wurden als „Spaghettifresser“ gemieden, selbst Deutsche aus Sachsen oder Schlesien hatten es in der Bundesrepublik schwer. Und zum “klassischen Familienbild”: Weibliche Kanzler und Integrationsbeauftragte wären damals undenkbar gewesen, zumal in der Union. Sollen also Merkel und Böhmer wieder ihre Männer bekochen?
Dass es Arslan nötig hat, homophobe Ressentiments zu pflegen – „Skepsis“ ist ein nur scheinbar harmloser Ausdruck –, zeigt bitter, dass er etwas zum Hassen braucht. Als ob es keine homosexuellen Migranten gäbe, die an innerem wie äußerem Zwang zugrundegehen oder tannhäusernd das romantische Ideal der Jugend aufgeben für hysterische Promiskuität. Wenn wir Sartre glauben wollen, wonach sich nur befreien kann, wer auch die anderen befreit, bleibt festzuhalten: Noch jede Emanzipationsbewegung entpuppte sich als Rohrkrepierer, weil sie die Grenze ihrer Interessengruppe nicht überwunden hat. Die Zugehörigkeit zu einem unterprivilegierten Personenkreis allein hat noch keinen guten Menschen gemacht. Zu verlockend der Tritt danach, was man für unten hält. Zu stark die Versuchung, eigenen Vorstellungen normativen Charakter für Dritte zuzuschreiben. Nein, weder Türken noch Ostdeutsche noch Frauen noch Schwule oder überhaupt irgendwelche Leute können Avantgarde des Weltgeistes sein, schade, Marcuse: Wir sind alle gleich anders furchtbar.