Das lange Schweigen an dieser Stelle hatte Gründe: Der Sonderforschungsbereich, dem dieses Projekt angehörte, wird geschlossen. Diese Seite bleibt erhalten, es wird aber in dieser Zusammensetzung keine gemeinsamen Aktivitäten mehr geben. Dass aber das Personal qualifiziert ist, lässt sich daran ablesen, dass alle Projektmitarbeiter neue Stellen im Wissenschaftsbetrieb bekommen haben. Unser Abschiedsgeschenk an die Gelehrtenrepublik ist der Band “Medien und Integration in Nordamerika. Erfahrungen aus den Einwanderungsländern Kanada und USA”, herausgegeben von Rainer Geißler und Horst Pöttker. Er wird demnächst erscheinen. Damit Sie wissen, was Sie erwartet, hier das Inhaltsverzeichnis, und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit:
Rainer Geißler/Horst Pöttker: Einleitung
Augie Fleras: Das konventionelle Nachrichtenparadigma als systemischer Bias. Die Basis der (Fehl-)Darstellung von Minderheiten in Nachrichtenmedien neu durchdacht
Augie Fleras: Ethnomedien und Medien der Ureinwohner in Kanada. Grenzen überschreiten, Puffer bilden, Verbindungen schaffen, Brücken bauen
Kenneth Starck: Einheit in Verschiedenheit anerkennen. Medien und ethnische Minderheiten in den USA
Kenneth Starck: Wie Vorurteile aufrechterhalten werden. Die Darstellung von Arabern und Amerikanern arabischer Herkunft in den Medien
Horst Pöttker/Anne Weibert: Diversity. Ethnische Minderheiten in den Medien der USA
Harald Bader: “Man tilgt ihn nicht, den heil’gen Funken.” Die “New Yorker Staats-Zeitung” und die deutschen 1848-er
Harald Bader: Deutschamerikaner oder Auslandsdeutsche? Der “Heimatbote” 1929
Anne Weibert: Mediale Integration ethnischer Minderheiten. Ein Vergleich von Lokalberichterstattung über Türken in Deutschland und Hispanics in den USA
Rainer Geißler: Was ist vom klassischen Einwanderungsland Kanada über mediale Integration von ethnischen Minderheiten zu lernen?
Horst Pöttker: Was ist vom klassischen Einwanderungsland USA über mediale Integration von ethnischen Minderheiten zu lernen?
Papst Benedikt XVI. wird die verbliebene katholische Kirche in New York besuchen, wo noch deutschsprachige Gottesdienste stattfinden. Trotz der starken Einwanderung Deutscher, die Ende des 17. Jahrhunderts begann, ist ihre Herkunftskultur fast verschwunden. Jetzt fragen Sie nicht, wie ich das finden soll. Einerseits gönne ich den Auswanderern und Exilanten, dass sie den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft haben, der oft mit Anpassung an die Mehrheitssprache und -kultur einhergeht. (Wobei politischer Druck - Deutschland und die USA waren zweifach Kriegsgegner - hinzukam.) Andererseits schade, dass unsere Spuren so verwischt sind und man Luther, Goethe und Brecht (Entschuldigung, Eure Heiligkeit) übersetzen muss.
Dieser etwas wehmütige Blick ist nützlich, wenn Deutschland von seinen Immigranten erwartet, sich schnell zu germanisieren. Sie sollen dabei unterstützt werden, Deutsch zu lernen, sich zu bilden und zu arbeiten, aber ein bisschen türkisch oder russisch müssen sie schon bleiben dürfen, wenn ihnen danach ist. Also baut Zwiebeltürme und Minarette, die auch so aussehen. Denn falls in ihnen in Jahrhunderten jemand als Letzter das Licht ausmachen sollte, werden wir alle etwas verloren haben.
Antiamerikanismus ist ja schick, links wie rechts und in der Mitte auch. Vom Amerikanismus weiß man weniger. Seine Idee der Freiheit aber, die wie oben zu lesen (hier ganz, da meist gekürzt wiedergegeben) auch Goethe beeindruckte, zeigt sich im derzeitigen US-Wahlkampf. Alles scheint möglich, und obwohl die Deutschen die demokratischen Bewerber vorziehen mögen: McCain wäre vermutlich auch ein ordentlicher Präsident. Obama, der jüngst (und endlich) seine Herkunft thematisierte und antritt, schwarzes und weißes Amerika zu versöhnen, macht mir ein bisschen Angst. Ich fürchte, dass er zu klug, zu weise und zu gütig ist für seinen Posten. Noch jeder, der als Retter antrat, fand sich in den Wirrungen der Weltgeschichte wieder und verbitterte. - Zuweilen wird die Mittelmäßigkeit des europäischen politischen Personals gerügt. Seien wir froh darüber, nicht versucht zu werden, Verheißungen zu glauben und anschließend enttäuscht zu werden. - Dass aber grundsätzlich Neues möglich ist, ist Amerikas Leistung für die Welt, und wir sollten mit Goethe ab und an dankbar dafür sein.
Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber John Edwards hat seine Kandidatur zurückgezogen. Er war in allen bisherigen Abstimmungen unterlegen gegen die demokratischen Mitbewerber Barack Obama und Hillary Clinton. Medien zitieren Edwards mit den Worten, er sehe sich “als weißer Mann in einer Außenseiterrolle”, da Clinton auf den “Bonus der ersten Frau” setzen könne, und Obama als “erstem schwarzen Amerikaner” besondere Aufmerksamkeit sicher sei.
Wird also der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ein schwarzer Präsident sein? Oder wird es eine “Mrs. President” geben?
Interessantes bringt bei der Suche nach Antworten eine Spurensuche im Internet zutage, die sowohl Aufschluss gibt über das Selbstverständnis des Kandidaten und der Kandidatin, als auch über die Erwartungen und Hoffnungen der amerikanischen Bürger an den nächsten Präsidenten oder die nächste Präsidentin ihres Landes. Denn frei nach dem Motto “Ich blogge, also bin ich”, haben beide, Obama und Clinton, über ihren Wahlkampf-Webauftritt auch die Verbindung zu den großen Internet-Communities hergestellt - Hillary Clinton zu MySpace, Facebook, YouTube, Flickr und Eons; Obama unter dem Stichwort “Obama Everywhere” gleich zu 16 verschiedenen virtuellen Communities, darunter mit Blackplanet, MiGente und AsianAve auch zu großen Portalen der afro-amerikanischen, hispanischen und asiatischen Bevölkerung.
Und im Virtuellen lässt sich erahnen: Es sind vor allem die Jungen und eher die Wohlhabenden, die sich von den politischen Visionen des Senatoren aus Illinois anstecken lassen - “Yes, we can!” hat sich aus Obamas Rede nach der Bekanntgabe des Vorwahl-Ergebnisses in South Carolina als Slogan selbstständig gemacht in diversen Blogeinträgen, insbesondere der (den beigefügten Fotos zufolge) offensichtlich jüngeren Anhängerschar unter den 240313 “Freunden”, die Obama etwa bei MySpace hat. Verschwenderischer Umgang mit Großbuchstaben, Ausrufezeichen und Emoticons zeugen von der Begeisterung, die Obama zu wecken versteht. Wer nicht von existenziellen Sorgen geplagt wird, ist offenbar empfänglich für Visionen, wie sie Obama unter den Stichworten “Change” und “Hope” verspricht. Dem gegenüber stehen zum Beispiel 170300 MySpace-Freunde von Hillary Clinton, in deren Einträgen oftmals der pragmatische Aspekt der politischen Arbeit im Vordergrund steht. “Keep up the good work” heißt es da, und salopp an politisches Format und Durchsetzungsvermögen in harten Zeiten appellierend: “It takes a Clinton to clean up after Bush”.
Es steht also - so jedenfalls der virtuelle Eindruck - Vision gegen Vertrauen, Begeisterungskraft gegen (solides) Handwerk. Die nächste zählbare Antwort darauf, inwieweit diese virtuelle Impressionen reale Gegebenheiten widerspiegeln, liefert der fünfte Februar: Am so genannten “Super Tuesday” finden in den meisten der amerikanischen Bundesstaaten die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur statt.