Migration, Integration und Medien
   


Einen haben wir noch

21. Juni 2010 von Harald Bader

Das lange Schweigen an dieser Stelle hatte Gründe: Der Sonderforschungsbereich, dem dieses Projekt angehörte, wird geschlossen. Diese Seite bleibt erhalten, es wird aber in dieser Zusammensetzung keine gemeinsamen Aktivitäten mehr geben. Dass aber das Personal qualifiziert ist, lässt sich daran ablesen, dass alle Projektmitarbeiter neue Stellen im Wissenschaftsbetrieb bekommen haben. Unser Abschiedsgeschenk an die Gelehrtenrepublik ist der Band “Medien und Integration in Nordamerika. Erfahrungen aus den Einwanderungsländern Kanada und USA”, herausgegeben von Rainer Geißler und Horst Pöttker. Er wird demnächst erscheinen. Damit Sie wissen, was Sie erwartet, hier das Inhaltsverzeichnis, und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit:

Rainer Geißler/Horst Pöttker: Einleitung

Augie Fleras: Das konventionelle Nachrichtenparadigma als systemischer Bias. Die Basis der (Fehl-)Darstellung von Minderheiten in Nachrichtenmedien neu durchdacht

Augie Fleras: Ethnomedien und Medien der Ureinwohner in Kanada. Grenzen überschreiten, Puffer bilden, Verbindungen schaffen, Brücken bauen

Kenneth Starck: Einheit in Verschiedenheit anerkennen. Medien und ethnische Minderheiten in den USA

Kenneth Starck: Wie Vorurteile aufrechterhalten werden. Die Darstellung von Arabern und Amerikanern arabischer Herkunft in den Medien

Horst Pöttker/Anne Weibert: Diversity. Ethnische Minderheiten in den Medien der USA

Harald Bader: “Man tilgt ihn nicht, den heil’gen Funken.” Die “New Yorker Staats-Zeitung” und die deutschen 1848-er

Harald Bader: Deutschamerikaner oder Auslandsdeutsche? Der “Heimatbote” 1929

Anne Weibert: Mediale Integration ethnischer Minderheiten. Ein Vergleich von Lokalberichterstattung über Türken in Deutschland und Hispanics in den USA

Rainer Geißler: Was ist vom klassischen Einwanderungsland Kanada über mediale Integration von ethnischen Minderheiten zu lernen?

Horst Pöttker: Was ist vom klassischen Einwanderungsland USA über mediale Integration von ethnischen Minderheiten zu lernen?

Werbepause

10. März 2009 von Harald Bader

An uns wurde der Wunsch herangetragen, auf einen deutsch-türkischen Studiengang hinzuweisen, den die Universität Mainz anbietet. Gern kommen wir dem nach. Das türkischsprachige Masterangebot “Sprache, Kultur, Translation” sei recht erfolgreich, heißt es vom Campus Germersheim, möglicherweise können Absolventen sich auch deutsch-türkischen Medienbeziehungen widmen. Das ist gerade in der Krise wichtig, denn Beziehungen von Mehrheit und Minderheit gedeihen eher während wirtschaftlich guter Zeiten.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern?

9. März 2009 von Harald Bader

Die Personalie Steinbach ist auch unter Integrationsgesichtspunkten aufschlussreich. Ganz offenkundig passt die Interessenvertretung Betroffener nicht in die geschichtsphilosophische Welt des “Frankfurter-Rundschau”-Milieus. Man hat Entsprechendes auch von der Politik gehört, als es um die Frage ging, mit welchen muslimischen Verbänden man diskutiert. Großes Erschrecken, weil die zum Teil nicht mainstreamig genug sind. Die Folge ist, dass noch immer eher über als mit Migranten gesprochen wird - andererseits: Sollen Diskussionen daraus bestehen, dass alle einer Herkunft und Weltsicht sind? Dann muss man sich erst gar nicht treffen. Natürlich sind BdV und Ditib, um zwei Beispiele zu nennen, problematische Einrichtungen, aber zur Kenntnis nehmen muss man sie, denn die Welt besteht nicht ausschließlich aus Staatsräson.

Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk

3. März 2009 von Harald Bader

Samy Deluxe hat sein Deutschlandlied geschrieben. “Dis wo ich herkomm” heißt es und ist als Single erschienen. Vielleicht etwas schräg, aber doch mit einer Aussage, die in ihrer Zerrissenheit belegt, dass der Sänger so deutsch ist, wie es die Verfechter national befreiter Zonen niemals sein können. Deluxe leidet an dem Land, das er liebt und ist damit in der seit 200 Jahren andauernden Debatte angekommen. Ich schrieb allerdings an dieser Stelle, dass man nicht jeden Trend mitmachen muss, auch nicht den melancholischen Patriotismus, das revolutionäre Pathos der Jugend (”Achtung tragen”, empfiehlt Schiller, keine Koketterie) oder Vergangenheitsbewältigung in Clipform. Auweia: Wenn die neuen Deutschen so neurotisch geworden sind wie die alten, haben sie sich assimiliert.

Soviel Aufbruch

2. März 2009 von Harald Bader

Im Hamburger Schauspielhaus ist die diesjährige “Woche der Brüderlichkeit” eröffnet worden, festlicher Höhepunkt der christlich-jüdischen Zusammenarbeit. Und angesichts der Vorgeschichte nicht ohne Bitterkeit. Seit der Spätantike lebten Juden dort, was später Deutschland werden sollte. Siebzehn Jahrhunderte haben nicht genügt, dass das Bundesvolk hier angstfrei leben kann. Gründe dafür haben sich immer finden lassen, kein Ruhmesblatt für Kirche und Nation. Brüder wären wir, wenn wir unsere Brüderlichkeit nicht proklamieren müssten. Fromm wären wir, wenn unsere Frömmigkeit nicht auf Kosten anderer gelebt würde.

Mono und stereo

25. Februar 2009 von Harald Bader

Die “Initiative Nachrichtenaufklärung” veröffentlicht jährlich eine Liste mit Themen, die nach Ansicht einer Fachjury trotz Relevanz keinen angemessenen Platz in den Medien gefunden haben. Mit dabei ist diesmal auf neun: “Undifferenzierte Berichterstattung über Migranten.” Über die Begründung lässt sich trefflich streiten, gewiss aber gibt es einen Mangel an medialer Rollenvielfalt der Migranten oder Migrantinnen, gerade der. Marginalisierung entsteht durch Zuschreibung bestimmender Merkmale, die die Flexibilität von Persönlichkeit einengen, was durch eigenes wie fremdes Unvermögen geschieht. Näheres unter www.nachrichtenaufklaerung.de. - Die gute Nachricht zum Beginn der Fastenzeit: in Dortmund nahm ein türkischer Karnevalsverein am Zug teil, wer da war, hat sich amüsiert.

In eigener Sache

18. Februar 2009 von Harald Bader

An dieser Stelle möchte ich auf das vom Projekt “Mediale Integration ethnischer Minderheiten”, das diese Seite betreibt, verantwortete druckfrische Buch hinweisen. Es enthält empirische Studien zu historischen, statistischen, theoretischen und normativen Fragen zum Forschungsgegenstand Migration und Öffentlichkeit. Wir bitten um freundliche Beachtung, auch Rückmeldungen an die Verfasser sind willkommen. Näheres finden Sie unter www.transcript-verlag.de.

Die Kunst ist kurz, doch lang ist unser Leben

27. November 2008 von Harald Bader

Die Kampagne für mehr ethnische Vielfalt in der Wirtschaft (www.vielfalt-als-chance.de) ist eine gute Idee. Ich bin durch die Fernsehwerbung darauf aufmerksam geworden und finde die Website lesenswert und unterhaltsam. Integrationsbeauftragte Maria Böhmer wird zwar häufig kritisiert (was weniger an ihr als an ihrem Amt liegt), dabei soll aber nicht vergessen werden, dass sie angesichts der Kürze deutscher Zuwanderungspolitik solide Arbeit leistet. Schade nur, dass “Vielfalt als Chance” befristet ist. Wenn wir uns vor Augen führen, welch langen Atem Emanzipationen haben (z.B. der Frauen), wären eher Jahrzehnte angemessen.

Wie das Gesetz es befiehlt

26. November 2008 von Harald Bader

Ein Kollege aus dem Wissenschaftsbetrieb fragte mich, welche Nachrichten aus dem Themenbereich Medien und Migration er verbreiten könne. Ich erzählte ihm dies und das, gemeinsam stellten wir aber fest, dass daraus keine aktuellen Meldungen gestrickt werden können. Der Journalismus tickt eben anders, er braucht Ereignisse, was akademisch Nachrichtenwerttheorie genannt wird. Darum sind medienkritische Ansätze, die nach Alltagsgeschehen, Strukturen und good-will-Berichten in Spalten und auf Schirmen rufen, im Prinzip richtig, gehen aber an der Eigengesetzlichkeit des Journalismus häufig vorbei. Kann man nichts machen.

Geglückte Interkulturalität

26. November 2008 von Harald Bader

Habe soeben kyrillischen Spam aus Nigeria bekommen, der mich laut Angaben des Verfassers zum Trillionär machen könnte. Das nenne ich doch mal Internationalität!